Das Sacred Ground Festival 2019 – das andere, das für uns genau richtige Festival

Als das Sacred Ground Festival 2019 Mitte Juli im beschaulichen Brüssow über die Bühne gehen sollte, lief die Festival-Maschinerie diesen Sommers bereits auf Hochtouren. Wochenende für Wochenende wurde der Instagram-Stream mit lauten Bildern und Stories der Festivals überschwemmt.

Anders und damit genau richtig

Das Sacred Ground Festival 2019 war auch in seinem fünften Jahr das bewusst andere Festival.
– Und damit für uns genau das richtige. 

Im krassen Kontrast zum Lauter, Größer, Bunter anderer Festivals steht das Sacred Ground. Die Veranstaltenden selbst formulieren das schön: “Producing a truly open, intimate and transformative experience — allowing everyone to enjoy the lush ambient area, circus tent and herb garden café, dance under the stars and enjoy the DJs playing until sun comes up.”

Und wer schon einmal die lange, holprige Straße zum Checkin gefahren ist, weiß, dass das Sacred Ground diesem Anspruch, etwas anders sein zu wollen, absolut gerecht wird. Angefangen mit dem visuellen Konzept, welches zusammen mit Studio Feld entsteht und dem Verzicht auf Sponsoring, der Zusammenarbeit mit den Bewohnern und Bewohnerinnen Brüssows, über die handverlesenen Künstler und Künstlerinnen – die aus dem Kreis um Frank Wiedemann und Ry X stammen – bis zum extrem heterogenen und liebenswerten Publikum, wird der oben formuliere Anspruch ohne Furore in Realität überführt.

 

Vielleicht ist es genau das: Das sich wie von selbst Ergebende, sich sachte in Landschaft und Umfeld Integrierende, das einen so schwungvoll-sanft durchs Wochenende trägt und einen wie beseelt wieder abreisen lässt. So dass sich die Wochenendtage mit der großartigen Musik und den freundlichen Gesichtern wie ein Freudenschrei beim Sprung ins erfrischend klare Nass bei Sonnenschein am nahegelegenen See anfühlten.

Freitag: Raus aufs Land 

Der Checkin lief ratzfatz – eine rundum freundliche und unkomplizierte Abwicklung.
Bekannte Gesichter und eine entspannte Atmosphäre begrüßten uns aufs Neue. Beim Umsehen fielen uns bunte Fäden, bunte Sitzmöbel und neues Gebälk auf.

 

Los ging es mit den Teskey Brothers und W.H. Long bevor HVOB die Hauptbühne betraten. Von letzteren hatten wir uns nicht allzu viel erwartet und waren positiv überrascht. Auf das österreichische Duo folgte der zweite Act aus Österreich: Peter Kruder. Wer nun an Kruder & Dorfmeister denkt, ist ganz weit weg. Spätestens seit seinen Produktionen für DJ Hell, ist Peter Kruder auch auf den housigeren und technoideren Tanzböden anzutreffen und bildete den perfekten Absprung für das Zelt. Dort spielte TERR statt VAAL. Lange und hart – perfekt. Und als der Samstag sich mit seinem Morgengrauen ankündigte, übernahm der Watergate-Resident Jimi Jules das Ruder. Uns schickte Jimi langsam auf die Reise über die Felder zum Camper.

 

Samstag: Erfrischt vom See dem Ruf der Bässe folgend

Ein schöner Einstieg am Freitag, aber Samstag stand einiges auf dem Programm. Welcher Artist wann genau spielen würde, wurde nicht verraten. Wir blieben dran, voller Tatendrang, um nichts zu verpassen. Dazwischen ließ es sich entspannen, durchatmen. Sonne, die Felder und Frühstück genießen auf dem Feld. Der kühle See. Erfrischt folgten wir dem Ruf der Bässe.

 

Unser zweiter Tag begann mit Gudrun Gut. Die Malaria-Gründerin wurde ihrem Ruf gerecht und brachte das Publikum in Stimmung für das was später folgen sollte. Zum Beispiel Keope, die mitten im Publikum spielen sollten. Darauf folgten Curses. Ein wenig ernüchternd, weder Uhrzeit, noch die Bühnenpräsenz wollten so recht passen. Dann Perel. Mit ihrer kraftvollen Stimme und den treibenden Bässen setzte sie, wie letztes Jahr auch, einen leuchtenden Akzent in dieser sternenklaren Nacht und bereitete schließlich mit ihrer Hymne „Die Dimension” die Bühne für Mathew und Frank. Ja, Mathew Johnson und Frank Wiedemann unterstützt durch Gudrun Gut, Keope, RY X und Fred. Ein ganz besonderes tanz-musikalisches Fest voller Spannung und Abwechslung, nah dran und mit Clubgefühl. 

 

Der Spannungsbogen war jetzt auf Anschlag. Tanzend, in der Menge untertauchend, sich verlierend, oftmals im oszillierenden Schwebezustand des unschlüssigen Nirgendwo zwischen Wassersuche und Weitermachen. In der Hoffnung, an die Euphorie mit Mathew und Frank anknüpfen zu können, begaben wir uns zu Axel Boman ins Zelt. Der sympathische Schwede begleitete uns mit seinem verschmitzten Lächeln die gesamte Nacht mit rhythmischer Vielfalt und motivierender Härte, bis Dj Tennis uns in seine verbimmelte Afterhourwelt entführen wollte. Was wir nach kurzem Stelldichein dankend ablehnten und stattdessen kraftlos und gleichzeitig euphorisiert mit dem wärmenden Sonnenaufgang im Rücken zum Camper stolperten.

 

Sonntag: Bässe oder Bett, bleiben oder gehen?

Zwischen schlafen und aufwachen, bleiben oder gehen, Bässen oder Bett, entschieden wir uns am Sonntagmorgen für: bleiben! Ein bisschen Sonntagsblues darf es am Abreisetag ja auch geben. Aber das glitzernde musikalische Set des letzten Tages konnte uns schließlich doch noch einmal gänzlich in eine „sakrale“ Stimmung versetzen. Und zwar dank des langen und musikalisch abwechslungsreichen Sets von NABIHAH IQBAL und der jungen, wild-frickeligen Sängerin DUENDITA. Und natürlich RY X: Klassiker eben – zum Abschied mit Dank. Kitschig, aber schön. Schön-kitschig und damit der perfekte Ausklang für ein durchtanztes Wochenende in der Natur. Und auch wenn das wie der Werbeslogan eines Yogastudios klingen mag: Beim Zurückkommen vom Sacred Ground Festival, nach dem Abfahren vom Gelände, vorbei an den hügeligen Wiesen der Uckermark, mit Sonne im Rücken und Wind in den Haaren, da fühlten wir ganz viel Weite im Herzen und im Kopf. Offen die Landschaft im Außen und genauso offen die Blicke, die Muße, die Heiterkeit und die tanzenden Festivalmenschen im Inneren des Geländes. Gefühle und Erfahrungen, die den vermeintlichen Kater glücklicherweise ganz lieb haben schnurren lassen. 

– Wir kommen gerne wieder!

Kurz und knackig:

  • Künstler und Künstlerinnen: Handverlesen. Vorab waren wir noch nicht so begeistert, aber dann hat doch wieder alles gepasst. Ein bisschen Mut an der einen oder anderen Ecke könnte das Festival noch spannender machen.
  • Dekoration: Wie jedes Jahr mit ganz viel Mühe gemacht, gemütlich und inspirierend. Besonders toll ist, dass alles einem Konzept folgt und kein Sponsoring stattfindet.
  • Menschen: Wie immer die nette Familie mit alten und neuen Gesichtern.
  • Organisation: Geschmeidig und entspannt. Passt. (Umbau-)Pausen in den Abendstunden okay, aber wenn sie sich vermeiden ließen oder anders überbrückt werden könnten!?
  • Natur: Top. Wetter perfekt, Baden, Felder, Weite. Schön.
  • Essen & Trinken: Essen gut, regional, frisch vielfältig. Getränke preislich weiterhin okay.
  • Cashless: Praktisch und gut. Eigentlich meist reibungslos.
  • Nächstes Jahr unbedingt wieder (weil verpasst): Sonnenaufgang / Yoga / Massage / Musik in der Kirche / Knödel / Ambient Floor am Abend / Kaffee & Kuchen in der Scheune / Außendusche.

MUSIK


TERR

Axel Boman

DJ Tennis

Jimi Jules

Jamiie

Nabihah Iqbal


Unsere Sacred Ground Festival Playlist 2019